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‚Alles hat seine Zeit'

45 Jahre Friedhofskultur aktiv gestaltet: Jürgen Aufderheide geht in den Ruhestand

Zum 1. Oktober geht der langjährige Friedhofsgärtner Jürgen Aufderheide in den Ruhestand. Zuvor wird Jürgen Aufderheide feierlich verabschiedet und von seinem Dienst entpflichtet. Der öffentliche Gottesdienst ist am Samstag, 26. September, um 16:00 Uhr in der Kapelle auf dem Friedhof Spenge an der Langen Straße. Geleitet wird er von Pfarrer Holger Kasfeld.

Wenn jemand die Friedhöfe in Spenge kennt, dann ist es Jürgen Aufderheide. Seit 45 Jahren arbeitet der gelernte Landschaftsgärtner hier – zunächst als Friedhofsgärtner, später in leitender Funktion und in der Friedhofsverwaltung. Zuverlässig, freundlich und einfühlsam: so erleben ihn Angehörige, Friedhofsbesucher und Kollegen. „Ich hatte eigentlich schon fast mit jedem Spenger irgendwie Kontakt", erzählt Aufderheide.

Seine berufliche Laufbahn auf dem Friedhof begann 1981, damals noch unter der Leitung seines Vaters Wilhelm Aufderheide. Als dieser 1993 in den Ruhestand ging, übernahm der Sohn die Friedhofsleitung in Spenge. 2014 kam der Friedhof in Hücker-Aschen hinzu, 2024 schließlich Wallenbrück. Inzwischen kennt Aufderheide die Anlagen genau. „Wenn man 45 Jahre hier gearbeitet hat, sollte man sich hier auch gut auskennen", sagt er und schmunzelt.

In dieser langen Zeit hat er erlebt, wie sich Friedhöfe und Bestattungskultur verändern. Früher pflegten viele Angehörige die Grabstätten ihrer Familien selbst – oft mit persönlich großem Aufwand. Kleine Hecken umfassten zahlreiche Gräber, die sorgfältig bepflanzt und gehegt wurden.

Auch heute seien die Friedhöfe gepflegt, sagt Aufderheide, aber das Erscheinungsbild habe sich gewandelt. Viele Angehörige hätten weniger Zeit als früher oder lebten nicht mehr in der Region. Die Grabpflege werde deshalb häufiger von Dienstleistern übernommen. Zugleich steigt die Nachfrage nach pflegeleichteren Grabformen wie Rasenplattengräbern oder Stelengräbern.

Auch ökologische Aspekte spielen eine größere Rolle. „Wir haben spezielle insekten- und bienenfreundliche Flächen geschaffen, Nistkästen aufgestellt und Staudenbeete gepflanzt", berichtet Dorte Brune, die gemeinsam mit Aufderheide in der Friedhofsverwaltung arbeitet. Friedhöfe sind damit nicht nur Orte des Abschieds, der Erinnerung und der Besinnung, sondern auch wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

Aufderheide sieht den Wandel positiv. „Es wird sich immer etwas ändern, denn alles hat seine Zeit", sagt er.

Bei allen Veränderungen gibt es jedoch Grundsätze, an denen die evangelischen Friedhöfe festhalten. Eine völlig anonyme Beisetzung gibt es nicht. „Wir sagen: Jeder Mensch hat einen Namen, und der soll auch nach dem Tod bleiben. Die Gravur des Namens ist ein sichtbares Zeichen für Identität, Würde und Erinnerung. Das gehört zu unserer Bestattungskultur", erklärt Pfarrer Holger Kasfeld vom Evangelischen Kirchenkreis Herford.

Zu den schwierigsten Erfahrungen in Aufderheides Berufsleben zählt die Coronapandemie. „Das war für mich ganz schlimm, dass die Beisetzung von Menschen nur mit einer ganz kleinen Trauergruppe erfolgen durfte. Das zu sehen, hat mir richtig wehgetan", erzählt er.

Doch die schönen Erinnerungen überwiegen: die vielen Gespräche mit Friedhofsbesuchern sowie die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. Besonders gern erinnert sich Aufderheide an Begegnungen, bei denen er Angehörigen helfen konnte – etwa bei der Auswahl einer passenden Grabstätte. Er erlebte Menschen unmittelbar nach einem schweren Verlust, aber auch, wie sie nach und nach wieder Hoffnung und Lebenszuversicht zurückfanden.

Offiziell beginnt Aufderheides Ruhestand am 1. Oktober. Eine Nachfolge ist bereits geregelt: Tanja Rahmel wird künftig gemeinsam mit Dorte Brune in der Friedhofsverwaltung arbeiten.