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Die ganz große Freiheit

Liebe Leserinnen und Leser,

Anfang April ist unsere jüngste Tochter 18 Jahre alt geworden. Volljährig. Was man jetzt endlich alles machen kann! Die ganz, ganz große Freiheit. Wahnsinn! Die Welt wartet nur darauf, erobert zu werden.

Kurz wurden mein Mann und ich sentimental, aber dann haben wir uns in einer PET-Flasche Wodka-Cola lauwarm angemixt, uns mit Aftershave und Vanilla-Kiss-Deo ordentlich eingedieselt, eine Tüte Nachos, auf denen schon mal versehentlich jemand gesessen hat, geschnappt und uns zum Sound von ‚Best of Fetenhits‘ auf die Rückbank des Autos geschmissen. Wir haben das Kind dazu ermuntert, uns mit der Familienkutsche zu seinem Patenonkel zu fahren, um sich ein paar Glückwünsche abzuholen. Der hat sich auch ganz unglaublich doll gefreut, dass aus dem zarten Pflänzchen, dem er einst bei der Taufe das dürftig befluste Köpfchen hielt, jetzt endlich ein nützliches Mitglied der Familie geworden ist. Gerne hat er seine sportlichen Aktivitäten unterbrochen und sich, ohne unnötig Zeit mit Duschen zu verschwenden, auf den Beifahrersitz geschwungen. Der Ärmste war nach dem Fußball nicht nur klatschnass geschwitzt, sondern auch völlig unterzuckert. Als er seine Schuhe ausgezogen und einen Energiedrink geext hatte, ging es ihm schlagartig besser und er fühlte sich nach einem Wechsel der Playlist hin zu Linkin Park.

„Es ist mein Geburtstag“, murmelte unsere Chauffeuse und wirkte von der Situation überwältigt. Kein Wunder, bei all den Emotionen.

Als besondere Überraschung haben wir sie dann um 50 Euro angepumpt, um sie von der vorgestreckten Kohle auf eine Ü40-Party in einem Feuerwehrgerätehaus einer ländlicheren Gegend Niedersachsens einzuladen. Es ist uns total wichtig, dass sie richtig in ihrer Erwachsenenrolle ankommt und von uns auch entsprechend bestätigende Signale bekommt.

Nachdem sie von einem bierseligen Feuerwehrmann unverhofft zu ‚Du bist so heiß wie ein Vulkan‘ über die Tanzfläche gewirbelt wurde, haben wir beschlossen, dass man gehen soll, wenn´s am schönsten ist. Also haben mein Bruder, mein Mann und ich uns – mittlerweile alle drei mit leichter Schlagseite – wieder ins Auto geschmissen und unserer Fahrerin uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen, uns sicher nach Hause zu bringen, selbst, wenn wir jetzt beim Starten des Motors höchstwahrscheinlich direkt einschliefen.

Wie gesagt, das ist jetzt die ganz, ganz große Freiheit. Wahnsinn!

Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt auch einen Freiheitsdrang verspüren, dann schlage ich vor, sie blättern durch dieses Heft. Bestimmt finden Sie dort etwas, das Ihrem neuentfachten Drang entspricht – beispielsweise ein Besuch im Skulpturengarten (S. 12), Abtanzen beim Warmenau Open Air (S. 24 - 25), Trainieren fürs Sportabzeichen (S. 4), Klönen unterm Maibaum (S. 6, S.12) oder eine Theatervorstellung auf der Waldbühne in Melle (S. 20).

Was auch immer es sein darf, viel Vergnügen wünscht Ihnen

Daniela Dembert