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Projekt abgeschlossen!

Die Wallenbrücker Friedensorgel ist fertig rekonstruiert

Ein wahres Mammutprojekt hat in diesem Februar mit der Abnahme durch Orgelbauer Hendrik Ahrend seinen krönenden Abschluss gefunden: die Rekonstruktion der Friedensorgel in der Marienkirche Wallenbrück.

Das Instrument sei zwar „keine Orgel der Superlative“, so der Orgelbaumeister bei seiner finalen Begutachtung, „aber sie ist besonders schön“.

Seit 2011 betreute Ahrend das Projekt und setzte die umfassende Rekonstruktion um. Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurde das Brustwerk eingebaut, intoniert und gestimmt. Die Orgel verfügt nun wieder über zwei Manuale und insgesamt 15 Register.

Historische Substanz bewahrt

44 der 336 Pfeifen des neu eingebauten Brustwerks sind historisch und konnten erhalten werden. Viele andere waren zuvor dem sogenannten Bleifraß zum Opfer gefallen.

Die 1624 erbaute Orgel ist die drittälteste in Westfalen. 1650 wurde sie durch einen Brand infolge eines Blitzschlags schwer beschädigt. Nur neun Jahre später – kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges – erklang sie erneut. Für Dr. Hinrich Paul, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat, ist dies ein Zeichen für die tiefe Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Beständigkeit.

Die mitteltönige Stimmung verleiht der Orgel einen warmen, harmonischen Klang mit besonderer Ausstrahlung.

Fehler der Vergangenheit korrigiert

1976 war das Instrument umfangreich umgebaut worden. Dabei kam es durch eine chemische Reaktion zwischen dem neu verbauten Eichenholz, Kaltleim und den historischen Bleipfeifen zur Zersetzung des Materials.

„Blei ist ein sehr reaktionsfreudiges Material“, erläutert Ahrend. „Es reagiert mit der Essigsäure im Holz.“

Da Blei im Orgelbau früher günstiger als Zinn war, wurde es häufig verwendet und für eine repräsentative Optik mit Zinn beschichtet. Auch bei der jetzigen Rekonstruktion wurden neue Bleipfeifen wieder mit Zinn foliert – klanglich und optisch dem historischen Vorbild entsprechend.

Ein Gemeinschaftsprojekt

Rund 600.000 Euro wurden im Laufe der Jahre investiert. Mehr als die Hälfte der Summe stammt aus privaten Spenden, Stiftungen, Sponsorengeldern und über 100 Benefizkonzerten.

Da zu wenig über den ursprünglichen Zustand der Orgel bekannt war, wurde das Vorhaben formal als „Rekonstruktion“ und nicht als „Restauration“ eingestuft – wodurch öffentliche Fördermittel entfielen.

Dass das Projekt dennoch innerhalb von 18 Jahren erfolgreich umgesetzt werden konnte, spricht für das außergewöhnliche Engagement der Kirchengemeinde und den besonderen Stellenwert der Wallenbrücker Friedensorgel in der westfälischen Orgellandschaft.

Die Konzertreihe wird auch nach Abschluss des Projekts fortgeführt. Erstmals liegt dafür ein kompaktes Jahresprogramm vor.