Deutschlandweit wurden im ersten Halbjahr so viele Wohnungen genehmigt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Für Ostwestfalen-Lippe ist das mehr als eine bundesweite Randnotiz – hier trifft der Trend auf einen Markt, der seit Jahren unter zu wenig Angebot ächzt.
126.300 Wohnungen: So viele Baugenehmigungen hat das Statistische Bundesamt für die ersten sechs Monate dieses Jahres gezählt – ein Plus von 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der stärkste Anstieg für ein erstes Halbjahr seit 2016. Besonders kräftig legten Zweifamilienhäuser zu (plus 27,3 Prozent), aber auch Einfamilienhäuser (plus 12,7 Prozent) und Mehrfamilienhäuser (plus 16,9 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse. Bundesbauministerin Verena Hubertz sprach von einem Wohnungsbau, der zurückkomme.
Ganz so eindeutig ist die Lage allerdings nicht. Verbände wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnten davor, den Anstieg als Trendwende zu feiern: Das Genehmigungsniveau bewegt sich noch immer etwa auf dem Stand von 2011, und der Vorjahreszeitraum war ohnehin schwach. Hinzu kommt ein Problem, das Fachleute besonders umtreibt: stornierte Projekte. Wenn nach der Genehmigung die Finanzierung nicht mehr aufgeht, wird gebaut, aber auch nicht das, was auf dem Papier steht.
Was heißt das für Bielefeld und Herford?
Für unsere Region ist dieser bundesweite Rückenwind eine gute Nachricht – aber keine, die sich sofort im Alltag von Käufern und Verkäufern bemerkbar macht. Der Immobilienmarkt in Bielefeld und dem Kreis Herford ist seit Jahren von einer spürbaren Nachfrageüberhang geprägt: Es gibt schlicht mehr ernsthafte Kaufinteressenten als passende Objekte. Das zeigt sich auch an den Baulandpreisen im Umland – in Enger und Spenge etwa gehören sie inzwischen zu den höchsten im gesamten Kreis Herford, ein direktes Echo der Nähe zu Bielefeld.
Mehr Genehmigungen bedeuten mittelfristig mehr Angebot – aber erst, wenn tatsächlich gebaut wird. Zwischen Genehmigung und schlüsselfertigem Haus liegen erfahrungsgemäß bis zu zwei Jahre, und angesichts weiterhin hoher Bau- und Finanzierungskosten dürfte nicht jedes genehmigte Projekt auch realisiert werden. Wer in Bielefeld, Herford, Spenge oder Enger auf spürbar mehr Auswahl und sinkende Preise hofft, sollte diesen Prozess eher in Jahren als in Monaten denken.
Was das für Eigentümer und Käufer konkret bedeutet
Für Verkäufer bestehender Immobilien ändert sich kurzfristig wenig: Die Nachfrage in der Region bleibt hoch, das Angebot knapp, und ein gut vorbereitetes, realistisch bewertetes Objekt findet nach wie vor zügig einen Käufer. Für Käufer und Bauwillige lohnt sich dagegen ein genauer Blick auf neue Baugebiete im Umland – dort, wo Kommunen wie Spenge oder Enger zusätzliche Flächen ausweisen, könnte sich in den kommenden Jahren tatsächlich mehr Bewegung zeigen als in der Kernstadt Bielefeld selbst.
Unser Rat bleibt derselbe wie in jedem Marktumfeld
Wer verkaufen, kaufen oder bauen möchte, sollte sich nicht an bundesweiten Schlagzeilen orientieren, sondern an der tatsächlichen Situation vor Ort – Lage, Zustand, Grundstück und die konkrete Nachfrage in der jeweiligen Gemeinde. Eine fundierte Wertermittlung schafft hier mehr Klarheit als jede Statistik.
Ihr Immobilienmakler 2x in Bielefeld
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