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Mit Schraubendreher, Spannungsmesser und Lötzinn

Repaircafé seit eineinhalb Jahren erfolgreich in der Stadtbücherei aktiv

Jeden dritten Dienstag im Monat geht es technisch zu in der Stadtbücherei Spenge. Von 16:00 bis 17:30 Uhr verwandelt sich die Sitzecke mit den großen Tischflächen in ein Repaircafé. Gut ein Dutzend Ehrenamtliche kümmert sich in zum Teil wechselnder Belegung darum, defekte Elektrogeräte wieder flott zu machen.

„Manchmal bringen die Besucher Sachen mit, bei denen sie vorher in Geschäften zu hören bekommen haben, eine Reparatur lohne sich nicht, weil sie zu lange dauere und ein neues Gerät günstiger sei“, erzählt Holger Grabbe, Initiator des Repaircafés. Diese Fälle ärgern nicht nur die Eigentümer der kaputten Apparate. „Was ist das für eine Haltung – sowohl ökologisch wie auch ökonomisch?!“, entrüstet sich Grabbe. Von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung keine Spur. Dabei handele es sich bei den Defekten ganz häufig nur um Kleinigkeiten wie ein gebrochenes Plastikzahnrad, wo früher ein Metallrädchen eingesetzt war oder eine Kabelisolierung ist weg und es kam zum Kurzschluss oder ein Stecker baumelt nur noch an einer Phase des Kabels. In diesen Fällen können die engagierten Tüftler des Repaircafés häufig helfen.

Gemeinsam mit den Eigentümern nehmen sie die Geräte auseinander, schauen nach der Ursache des Defekts, bestellen manchmal auch Teile nach. „Es geht uns auch darum, die Menschen wieder zu befähigen, solche Arbeiten selbst zu erledigen“, erklärt Grabbe. Genau so ein Fall ist der Fadenmäher von Ulla-Britta Rüsing. Das Gerät läuft eigentlich, aber irgendwie funktioniert das Einlegen einer neuen Fadenspule nicht richtig. Andreas Gittel nimmt die Spule raus und schaut gemeinsam mit der Eigentümerin, woran es liegen könnte. Diese will’s auch wirklich wissen und fährt kurzerhand zwischendurch für eine neue Spule und Beratung zum Fachmarkt. Wieder vor Ort kann der Mäher mit vereinten Kräften mit neuem Filament bestückt und einsatzbereit gemacht werden.

Am Gartenzwerg von Angelika Ellermann wird deutlich, worum es im Repaircafé auch noch geht: Emotion. Die kleine Figur wurde gehegt und gepflegt, trotzdem funktioniert die solarbetriebene Leuchte daran nicht mehr. „Da ist Feuchtigkeit eingezogen und die Kontakte sind korrodiert. Wir versuchen jetzt mal, die Beleuchtung auf Batteriebetrieb umzustellen“, berichtet Georg Kellmann. Den Zwerg wegzuschmeißen kommt für Ellermann nicht in Frage, sie hängt an ihm: „Der war ein Geschenk. Außerdem ist doch ansonsten nichts dran.“

Nicht immer legen die Besitzer selbst Hand an.

Die Brotmaschine einer Besucherin ist ein echtes Qualitätsstück aus den 80er-Jahren und hat immer zuverlässig ihren Dienst getan – bis heute. Beim Auseinandernehmen hat Axel Uhlig festgestellt, dass der Motor nicht mehr läuft, weil die Lager festsaßen. Nach Reinigung und Fettung der Bauteile liefert die Maschine wieder geschnittenes Brot. „Einfach super! Ich hätte sie beinah weggetan, weil sie gestunken und gequalmt hat“, freut sich die Besitzerin.

Holger Grabbe kennt diese Fälle: Menschen haben eine emotionale Bindung zu den Gegenständen. „Wir nehmen die Leute mit ihrem Anliegen ernst. Deshalb wandert manchmal eine unverhältnismäßig hohe Spende in unsere Spardose.“ Im Fall vom Gartenzwerg gibt’s für das Team sogar noch eine prallvolle Tüte selbstgebackener Kekse.

Holger Grabbe titelt: „Geräte- und Seelenreparatur.“ Denn neben den Instandsetzungsarbeiten gehe es auch um persönliche Gespräche, sowohl innerhalb des Teams als auch mit den Besuchenden. „Deshalb haben wir immer eine Kanne Kaffee und etwas Gebäck dabei.“

Daniela Dembert