Liebe Leserinnen und Leser,
kennen Sie diese nostalgischen Momente, die einen ganz unverhofft ereilen und die man nur zu gern mit seinen Mitmenschen teilen möchte, weil sie so ein warmes Gefühl im Bauch verbreiten? Meistens ist es dann so, dass diejenigen, die diese Situationen nicht selbst erlebt haben, die Begeisterung nicht im gleichen Maß teilen können. Mir ist das kürzlich mal wieder so ergangen.
Die ganze Familie sitzt beim Abendessen und es gibt ein leckeres feines Nudelsüppchen. Eine der letzten Nudeln in meiner fast leeren Schüssel will sich mit dem Löffel nicht so recht erwischen lassen, sie haftet an der Keramik und schiebt sich nur vor dem Löffel her. Wie ich so mit der Nudel kämpfe, packt mich schlagartig die Erinnerung an einen humoresken Fernsehabend in meiner Kindheit.
Ich friemele die Nudel mit den Fingern aus der Schüssel und klebe sie mir auf die Nase und zwar so, dass sie zur Hälfte haftet und zur anderen Hälfte bei Bewegung baumelt. Dann fasse ich meine Jüngste, die neben mir sitzt und weltvergessen ihre Suppe löffelt, bei der Schulter. Sie blickt überrascht vom Teller auf und dreht sich zu mir um. Ich schaue ihr gaaaanz tief in die Augen und sage: „Hildegard, sagen Sie jetzt nichts. Ich liebe Sie.“ Der Sprössling ist verwirrt. Einen Wimpernschlag später rückt er vom Tisch ab und blickt völlig verständnislos unter den Esstisch. Denn dort liege ich nämlich mittlerweile – immer noch die Nudel an der Nase – rolle mit angezogenen Beinen auf dem Rücken hin und her und halte mir den Bauch vor Lachen.
Was für ein Moment, was für eine Pointe! Und wie großartig ist mir diese Reminiszenz an einen Meister des Humors gelungen! Ich feiere mich, ich feiere ihn und kriege mich gar nicht mehr ein. Tränen kullern über meine roten Wangen. So viel Spaß für wenig Geld! Mit vor Lachen tonloser Stimme fiepe ich nur: „Warum sagen Sie denn nichts, Hildegard?“
Beide Mädels gucken jetzt unter den Tisch. Als sie ihr Erstaunen beiseite gepackt haben, zieht die Jüngere die Augenbrauen hoch und sagt mit einer Mischung aus Fremdscham, Mitleid und Verachtung: „Muttertier, du bist so ein Boomer.“
Liebe Leserinnen und Leser, Sie verstehen genau, welche Momente ich meine, stimmt's?
Sagen Sie jetzt nicht, Sie wissen nicht, wovon ich rede! Falls das so ist, dann hier gucken: https://www.facebook.com/watch/?v=819734780918418