Nun steht sie also und kann in allen ihr möglichen Varianten erklingen: die Barockorgel, genannt Friedensorgel, bekannt als „Königin von Wallenbrück“.
Nach einem jahrelangen Auf und Ab der Gefühle, vielen positiven und negativen Nachrichten, neuen Erkenntnissen und intensiver Recherchearbeit, stetig begleitet vom unermesslichen Engagement des Fördervereins Orgel Wallenbrück e. V.
Erbaut wurde sie 1624, sechs Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Schon damals hatte die Orgel zwei Manuale, das Hauptwerk und das Brustwerk. Im Jahr 1650, nur 26 Jahre nach der Fertigstellung der Orgel, brannte es im Kirchturm. Das Instrument wurde schwer beschädigt und war nicht mehr spielbar. Und obwohl dieser Brand nur zwei Jahre nach dem Westfälischen Frieden, also dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, geschah, dauerte es nur neun Jahre, bis die Orgel wieder instand gesetzt wurde.
Seit jeher waren die Wallenbrücker also bemüht um ihre „Königin“.
Eine erste umfangreiche Restaurierung der Orgel wurde 1976 vorgenommen. Dabei wurden circa 200 historische Pfeifen herausgenommen und verkauft, diese fehlen heute. Außerdem vertrug sich das neue Material nicht mit den alten Bleipfeifen.
2014 begann man schließlich, diese Fehler zurückzubauen. Es zog eine zweite Orgel im Nordschiff ein, die alte war viele Jahre nicht spielbar.
Nach Jahren des Spendensammelns und Schreibens von Berichten wurde das neue Hauptwerk 2021 von der Firma Ahrend aus Leer fertiggestellt. Seitdem war die kleine Orgel mit der besonderen mitteltönigen Stimmung, die die drittälteste Orgel Westfalens ist, ständig im Einsatz: ob bei den Gottesdiensten in der Marienkirche, den Friedensandachten oder Konzerten mit international bekannten Musikern. Alle möchten sie spielen, unsere „Königin“.
Im Dezember 2025 baute die Firma Ahrend das 2023 in Auftrag gegebene Brustwerk ein. Die Orgel wurde intoniert und erklang bereits am Heiligen Abend.
Am Ende dieses langen Weges bedankt sich Hinrich Paul, Vorsitzender des Fördervereins, bei allen Unterstützern: „Ich danke allen sehr, die dieses große Werk mit Gedanken, Worten, Taten und Spenden ermöglicht haben!“
Und trotzdem ist die Arbeit des Vereins keinesfalls beendet. Weiterhin geht es um die Instandhaltung der beiden Orgeln. Außerdem werden Workshops und Informationsangebote veranstaltet. Die „Wallenbrücker Konzerte“ werden seit einigen Jahren sehr gut angenommen und finden auch in Zukunft regelmäßig statt.
Am 15. Februar um 10:30 Uhr findet der Festgottesdienst für die fertige Orgel unter dem Motto „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ in der Marienkirche zu Wallenbrück statt. Es erklingen Stücke von Bach, Frescobaldi und Sweelinck.
Superintendent Dr. Olaf Reinmuth wird predigen, Posaunenchor, Kirchenchor und Kantorei beteiligen sich. Prof. Martin Lücker aus Frankfurt, der die Restaurierung der Orgel sehr unterstützt hat, wird das Instrument in allen Varianten präsentieren. Martin Rieker aus Bielefeld spielt ebenfalls an der Orgel, Restaurator Hendrik Ahrend wird von der Arbeit am Wallenbrücker Instrument berichten.