Während viele Menschen sich am Neujahrsmorgen in den warmen Federn noch einmal umgedreht haben, griffen in Spenge und Enger rund 20 freiwillige Helfer zu Greifzange und Müllsack. Ihr Ziel: Das durch die Silvesternacht gezeichnete Stadtbild wiederherzustellen. Die gemeinsame Aktion des Vereins „Asyl Spenge e.V.“ und der „Initiative Willkommen“ ist mittlerweile Tradition und ein sichtbares Symbol für Dankbarkeit und gelungene Integration.
Zugegeben, es war ein ungemütlicher Start in das Jahr 2026. Doch trotz Kälte und stürmischer Böen waren am 1. Januar in jeder der beiden Nachbarstädte etwa zehn engagierte Teilnehmer unterwegs. Die Gruppen, bestehend aus Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine, befreiten Straßen, Plätze und Grünanlagen von den Überresten der Feuerwerke.
Etwas an die Gesellschaft zurückgeben
Die Motivation hinter dem Einsatz ist der Wunsch, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Mohi Aldeen Al Hanshel, der in Enger an der Aktion teilnahm, betonte die Motivation: „Die Menschen helfen uns bei der Integration. Das hat uns sehr bewegt.“ Besonders die herzliche Aufnahme in der Stadt und die Unterstützung im Haus der Kulturen seien Gründe für den Wunsch gewesen, sich aktiv für ein schönes Stadtbild einzusetzen. „Wir wollten unsere Dankbarkeit zeigen“, erklärte Al Hanshel.
Auch Ibrahim Al Mahmoud aus Spenge sieht den Einsatz als Herzensangelegenheit: „Ich fühle mich hier fast wie zu Hause. Deshalb ist es mir wichtig, dass die Stadt sauber bleibt.“
Anerkennung durch die Bürger
Das Engagement blieb nicht unbemerkt. Viele Passanten und Autofahrer bedankten sich bei den Helfern für ihren Einsatz am Feiertag. Laut Organisator Samir Alnajjar findet die Aktion jedes Jahr auf ausdrücklichen Wunsch der Geflüchteten statt. Die Zusammenarbeit mit den städtischen Bauhöfen funktioniere dabei reibungslos. „Die Kommunen begrüßen diesen Beitrag ausdrücklich und statten uns mit Arbeitsmaterial aus“, so Alnajjar.
Kontrast am Spenger ZOB
Trotz der positiven Stimmung sorgte der Anblick des Spenger Busbahnhofs (ZOB) für Bestürzung unter den Helfern. Massive Zerstörungen wie eingeschlagene Scheiben und umgeworfene Mülltonnen boten ein bedrückendes Bild. Für die Teilnehmenden war dies jedoch ein zusätzlicher Ansporn, mit ihrem Einsatz ein Zeichen gegen die Verwüstung und für einen respektvollen Umgang mit dem öffentlichen Raum zu setzen.
Brücken für das Zusammenleben
In rund zwei Stunden sammelten die Freiwilligen insgesamt etwa 20 volle Müllsäcke ein. Hassan Alabbasi von der „Initiative Willkommen“ sieht darin mehr als nur eine Reinigungsaktion: „Solche Einsätze für unsere Innenstädte bauen Brücken in unserer Gesellschaft. Sie sind eine wichtige Grundlage für ein gutes Zusammenleben.“