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Neue Chancen für Bestandsimmobilien

Aus Gewerbe wird Wohnraum

Leerstehende Büro- und Gewerbeflächen sind in vielen Städten längst kein Einzelfall mehr. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Wohnraum hoch. Genau an dieser Schnittstelle setzt das neue Förderprogramm ‚Gewerbe zu Wohnen‘ an: Der Bund will die Umwandlung bislang gewerblich genutzter, beheizter Gebäude oder Gebäudeteile in Wohnraum gezielt unterstützen und damit neue Perspektiven für bestehende Immobilien schaffen.

Für Eigentümer, Investoren und Projektentwickler eröffnet sich damit eine interessante Möglichkeit, Bestandsobjekte neu zu denken. Gefördert wird der Umbau von Nichtwohngebäuden zu Wohnungen, sofern durch die Maßnahme mindestens eine neue Wohneinheit entsteht. Die Förderung erfolgt als direkter Zuschuss von bis zu 30 Prozent der förderfähigen Ausgaben, bezogen auf maximal 100.000 Euro pro Wohneinheit. Das entspricht einer Förderung von bis zu 30.000 Euro je neu geschaffener Wohnung.

Wichtig ist dabei: Förderfähig sind die eigentlichen Umbaukosten, etwa für Grundrissänderungen, Anpassungen der Baukonstruktion, Innenausbau oder auch die Umgestaltung von Außenanlagen für die Wohnnutzung. Nicht umfasst sind hingegen die Kosten der energetischen Sanierung selbst. Gleichzeitig ist die Förderung aber an energetische Anforderungen geknüpft: Im Regelfall muss mindestens der Standard Effizienzhaus 85 Erneuerbare Energien erreicht werden, bei Denkmalen bzw. besonders erhaltenswerter Bausubstanz gilt mindestens Effizienzhaus Denkmal Erneuerbare Energien.

Ein weiterer zentraler Punkt: Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Als Vorhabenbeginn gilt grundsätzlich bereits der Abschluss von Liefer- oder Leistungsverträgen. Planungs- und Beratungsleistungen dürfen zwar vorab erfolgen, die eigentliche Umsetzung darf aber noch nicht gestartet sein. Laut KfW soll die Antragstellung voraussichtlich ab Juli 2026 direkt über die KfW möglich sein. Für das Jahr 2026 stehen nach Angaben des Bundes 300 Millionen Euro bereit.

Aus Sicht der Stadtentwicklung ist dieses Programm besonders spannend: Statt wertvolle Flächen neu zu versiegeln, können bestehende Gebäude weiterentwickelt, Leerstände reduziert und neue Wohnangebote in gewachsenen Lagen geschaffen werden. Genau darin liegt der besondere Reiz des Programms – es verbindet die Schaffung von Wohnraum mit Ressourcenschonung, klimagerechter Erneuerung und einer sinnvollen Nachnutzung vorhandener Immobilienstrukturen.

Für viele Eigentümer dürfte nun der richtige Zeitpunkt gekommen sein, das Potenzial älterer Büro-, Praxis- oder Gewerbeflächen neu zu bewerten. Wer über geeignete Bestandsimmobilien verfügt, sollte frühzeitig prüfen, ob eine Umnutzung wirtschaftlich, baurechtlich und technisch sinnvoll umsetzbar ist. Das neue Förderprogramm kann dabei ein wertvoller Baustein sein, um Projekte anzustoßen, die bislang vielleicht noch nicht wirtschaftlich darstellbar waren.