Eigentlich sollte an der Neuenkirchener Straße längst weiter gebaut werden. Ein neues Wohngebiet mit 27 Grundstücken, Zufahrt – alles schien vorbereitet. Doch bevor die Bagger richtig loslegen konnten, fand man bei einer Untersuchung des LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) spannende Funde. Zwar hatten Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen an dieser Stelle bereits länger eine Siedlung vermutet, doch mit einem solchen Fund hatten vermutlich die wenigsten gerechnet. Es handelt sich nämlich um die bislang ältesten bekannten Siedlungsspuren auf Spenger Stadtgebiet.
An mehr als 60 Fundstellen konnten Beweise gefunden werden, die zeigen, dass hier schon vor über 2.000 Jahren Menschen lebten. Mehr als 50 Befunde konnten dokumentiert werden, hauptsächlich Pfostenlöcher ehemaliger Holzhäuser und Gruben zur Entnahme von Lehm für den Hausbau. Die archäologischen Spuren zeichnen sich gut 40 Zentimeter tief unter dem Ackerboden als dunkle Verfärbungen im gelben Lehm ab.
Drei Hofstellen lassen sich erkennen. Der Ort scheint nicht zufällig gewählt worden zu sein. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Besebach und der Boden ist sehr fruchtbar. Die Höfe selbst waren beachtlich groß: etwa sechs bis acht Meter breit und bis zu 25 Meter lang. Doch wahrscheinlich standen sie nicht alle gleichzeitig an derselben Stelle. Weil Holzpfosten über Jahrzehnte Feuchtigkeit aufnehmen und instabil werden, könnten Bewohner ihre Gehöfte nach einigen Jahrzehnten aufgegeben und wenige Meter weiter neu errichtet haben.
Der neue Fund fügt sich in ein älteres Puzzlestück der Stadtgeschichte ein. Bereits 1936 wurde nahe der heutigen Holzwiese ein Brandgräberfeld aus derselben Zeit entdeckt. Nun liegt die Vermutung nahe, dass jene Menschen, die an der Neuenkirchener Straße lebten, dort ihre Toten bestatteten. Für die tätigen Archäologen und Grabungsleiter Philipp Bockelbrink bleibt nun die Dokumentationsarbeit. Jede Scherbe, jede Verfärbung im Boden erzählt ein weiteres Detail dieser frühen Besiedlung.
Für das Bauprojekt bedeutet dieser historische Zwischenstopp zwar eine Verzögerung, die Arbeiten sollen aber zeitnah weitergehen. Und auch bei den weiteren Schritten werden Archäologen die Erdbewegungen begleiten – für den Fall, dass sich auch unter Spenges neuestem Wohngebiet noch weitere Geschichten aus alter Zeit verbergen.