Im Oktober hat die Kaufmannschaft Spenge einen öffentlichen Aufruf gestartet, Menschen, die sich für andere einsetzen, für eine Ehrung zu nominieren. Ganz bewusst wurde nach den ‚stillen Helden‘, jenen Menschen, die jenseits der Öffentlichkeit wirken und nicht fragen, was sie bekommen, sondern was sie geben können, gesucht. Zweien dieser besonderen Menschen hat das Preiskomitee mit einem Präsent für ihr unprätentiöses und selbstloses Engagement gedankt.
Desiree Hendel
„Überrascht“ sei sie gewesen, gesteht Preisträgerin Desiree Hendel. Von wem die 29-Jährige vorgeschlagen wurde, weiß sie nicht. Fest steht, es war jemand, der sie gut genug kennt, um zu wissen: Wenn es darum geht, anderen unter die Arme zu greifen, ist Desiree Hendel da. Ist jemand krank, geht sie einkaufen, führt Hunde aus, verlegt Laminatböden, streicht Wände – was eben anfällt.
Ein Obdachloser, dem sie half, bekam mehr als nur materielle Unterstützung: Sie suchte ihn nachts als er krank wurde, brachte ihn ins Krankenhaus, kaufte für ihn ein, versorgte ihn mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Gebrauchs. Wenn sie anderen Obdachlosen begegnet, überrascht sie sie mit kleinen Geschenken – gekauft von ihrem eigenen Geld. „Ohne Zuschüsse. Ohne Gegenleistung. Einfach, weil es ihr Bedürfnis ist“, heißt es in der Laudatio. Auch beim Deutschen Roten Kreuz ist Desiree Hendel regelmäßig aktiv, spendet Blut und hilft gelegentlich dabei, für die Spender Pommes zu brutzeln.
Ihr Engagement kennt keine Grenzen
Ihr Engagement kennt keine Grenzen – buchstäblich. In diesem Jahr reist sie erneut nach Afrika, wo sie bereits ein Freiwilligenjahr verbracht hat. Aus dem Verkaufserlös selbstgemachter Produkte schafft sie Bücher und Saatgut an, um bedürftigen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben.
Andreas Gittel
Erst seit acht Jahren lebt Andreas Gittel in Spenge. Schon bald nach seinem Zuzug hatte er begonnen, die Stadtgesellschaft, in der er lebt, aktiv mitzugestalten. Sein Engagement für die Menschen in Spenge zeigt sich unter anderem im Repair Café. Mit Geduld, Fachwissen und viel Herz repariert er dort gemeinsam mit den Besuchenden defekte Alltagsgegenstände.
Immer bereit, etwas für unsere Stadt zu tun
Wenn ein alter VHS-Rekorder plötzlich wieder verloren geglaubte Erinnerungen abspielen kann oder ein Toaster, der seit Jahr und Tag zur Familie gehört, erneut funktioniert, ist das nicht nur nachhaltig und ressourcenschonend, es bringt den Besitzern Freude. Obendrein gewinnt so mancher beim gemeinsamen Schrauben technisches Knowhow und praktische Fähigkeiten, die ihn wachsen lassen. Auch für den Umwelt- und Naturschutz setzt sich Andreas Gittel aktiv ein. Bei der letzten Pflanzaktion von ‚Spenge blüht auf‘ schlüpfte er in die Gummistiefel und trotzte dem Niesel, um mit anderen Engagierten Blumenzwiebeln entlang des Martinswegs zu setzen.
Während der Corona-Zeit erledigte der Wahl-Spenger Einkäufe, verlieh Dinge oder packte einfach mit an. Wenn es nötig war, schnitt er auch schonmal spontan die Hecke des Nachbarn. „Eine Ehrung für ‚stille Helden‘, das ist doch ein Widerspruch in sich“, sagt Andreas Gittel bescheiden und fast ein bisschen verlegen, als er den Präsent-Umschlag von der Kaufmannschaftsvorsitzenden Maria Stallo überreicht bekommt.
Sein neuestes Engagement führte ihn zum Spenger Bürgerbus. Seinen Mitmenschen Mobilität und damit auch die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen ist sein Antrieb, immer nach seinem eigenem Motto:
„Ich meckere und motze gern, bin aber im Gegenzug bereit, etwas für unsere Stadt zu tun.“
„Die beiden Geehrten stehen stellvertretend für viele weitere Menschen in Spenge, die jeden Tag helfen, ohne darüber zu sprechen. Ihnen allen gilt unser Dank“, heißt es aus Reihen der Kaufmannschaft.